Erste Erfahrungen mit BW/4HANA

In meinem aktuellen Projekt seit Mai 2018 kann ich die ersten Erfahrungen mit BW/4HANA sammeln.

Bei BW/4HANA handelt es sich um das neue Flagschiff der SAP im Bereich Business Warehouse. Die Netweaver Versionen 7.x sollen nach aktuellem Bekunden der SAP nicht mehr weiterentwickelt werden. Mit der Version 7.5 wurde daher das letzte aktuelle SAP Netweaver-Release ausgeliefert. Weitere Folgeversionen sind aktuell jedoch nicht geplant und das SAP NW BW 7.5 soll daher das letzte seiner Art sein. Aber zurück zu BW/4HANA.

BW/4HANA ist technisch komplett auf HANA als Datenbank basiert, mit nur einem kleinen ABAP-Server. Es kommt in der Datenmodellierung sehr leichtgewichtig daher. Die Anzahl der verfügbaren Infoprovider wurde drastisch reduziert. Das aDSO vereint alle von den 7.x Versionen bekannten datenpersistierende InfoProvider und kann in verschiedenen „Geschmacksrichtungen“ angelegt werden: als schreib-optimiertes DSO, als Standard-DSO oder als InfoCube. Die Einstellung der Geschmacksrichtung erfolgt dabei zentral in den BW Modellingtools in Eclipse. Auch der CompositeProvider vereint die beiden Geschmacksrichtungen MultiProvider und InfoSet. Zusätzlich gibt es die weiteren wichtigen Tpen InfoObjekt, DataSouce und InfoSource.  Es wird empfohlen, den Datenfluss über das Datenflussobjekt zu generieren. Das Datenflussobjekt gibt Ihnen die Möglichkeit, einen Datenfluss von Scratch zu modellieren und ihn schrittweise mit persistenten Objekten zum Leben zu erwecken. 

Die zentrale Modellierung in den BW-Modellingtools ist als weitere große Änderung anzuführen: Die gesamte Datenmodellierung erfolgt ausschließlich in den BW-Modellingtools. Beim Aufruf der Transaktion RSA1 in der SAP GUI ist der Button für „Datenmodellierung“ nicht mehr vorhanden. Dennoch benötigt man für Transportanschluss, Administration und Business Content die altbekannte Workbench weiterhin. Mit den BW-Modellingtools steht eine deutlich modernere GUI zur Modellierung von Datenflüssen zur Verfügung. Sie erfordert am Anfang etwas Einarbeitungszeit, danach macht das Arbeiten aber sehr großen Spaß und erleichtert auch an vielen Stellen die tägliche Arbeit: Endlich keine Begrenzung mehr mit 6 Modi, sehr gute Integration mit den ABAP Developmenttools in Eclipse zur Entwicklung von ABAP-Routinen und Service-Klassen sowie ein intelligentes Abspringen in die einzelnen Objekte mit der Möglichkeit das Objekt direkt zu ändern. Ein Beispiel: Merken Sie bei der Queryentwicklung, dass Sie eine weitere Kennzahl benötigen, so können Sie diese parallel neu anlegen, Ihrem CompositeProvider hinzufügen und dann direkt nach erfolgreicher Aktivierung in der Query verwenden.

Damit ist erstmals in der Geschichte des SAP BW eine zentrale Pflege aller Objekte, wie InfoObjekt, InfoProvider und Query in einem Tool möglich! Kein lästiges Abspringen mehr aus der SAP GUI in den  BEx Quer Designer. So sieht für mich echter Fortschritt aus.

Die Integration mit den -HANA Objekten erfolgt über die HANA Tools in Eclipse. Damit ist eine direkter Zugriff auf die Tabellen in HANA möglich. Auch die Datenanzeige oder Datenvorschau erfolgt zentral in der HANA. In der Datenvorschau stehen Ihnen ebenfalls eine analytische View zur Verfügung, so dass Sie schnell nach Objekten Filtern oder aufreißen können. Damit navigieren Sie insgesamt viel schneller in den Datenbeständen und können fehlerhafte Datensätze deutlich früher und schneller auffinden als über die SAP GUI / SE16 oder mit BEx. Auch hier also deutliche Arbeitserleichterungen im Bereich Datenmodellierung und Fehlersuche.

Das Transportwesen sit ebenfalls in Eclipse integriert. Wurde ein Objekt erstmalig per Transportanschluss in der Workbench auf einen Transportauftrag geschrieben, erfolgt bei jeder Änderung automatisch ein Pop-Up zur Transportauswahl, auf den das geänderte Objekt geschrieben werden soll. Wird der Vorgang aber abgebrochen, kann es sein, dass die erneute Aktivierung jedoch nicht nach einem Transportauftrag fragt. Hier wäre ein Transportsymbol mit entsprechender Funktionalität bei den einzelnen Objekten innerhalb der BW-Modellingtools hilfreich. Für ABAP-Entwickler gewöhnungsbedürftig ist der Fakt, dass Start- und Endroutinen in Transformationen in eigenen Klassen implementiert sind und diese Klassen / Methoden nicht auf dem Transportauftrag als Objekte sichtbar sind. Diese ABAP-Objekte werden bei Freigabe der Transformation zum Transportauftrag im Hintergrund gesammelt und in die Transportdateien geschrieben.  

Insgesamt wies das Transportwesen in dem eingesetzten SP8  noch zahlreiche Bugs auf, die aber mit SP9 weitestgehend behoben wurden.

Mit der HANA WebIDE steht ein browserbasiertes Tool zur Entwicklung von HANA Objekten wie dem FlowGraphen oder zur Content-Anzeige zur Verfügung. Der FlowGraph ermöglicht es ähnlich wie die BO DataServices eine ETL-Strecke zu erstellen. Ein Beispielszenario ist das Anbinden einer externen ORACLE-Tabelle. In diesem Szenario wird die ORACLE-Datenbank per JDBC/ODBC an HANA angebunden. Die Tabelle kann nun als Datasource im FlowGraphen eingebunden werden. In einem nächsten schritt können zum Beispiel nicht benötigte Spalten herausgefiltert werden bevor in einem letzten Schritt die Tabelle in einem gleichlautenden FlowGraph Typen gespeichert wird. Dieser FlowGraph kann nun eingeplant werden und extrahiert damit zu definierten Zeitpunkten aus der ORACLE-Datenbank die Daten und speichert diese mit den benötigten Spalten in einer Tabelle in einem definierten HANA-Schema ab. Das ganze läuft unter dem Stichwort SDI. SDI löst das allseits bekannte DBConnect ab.

Bei der Arbeit mit der WebIDE hat sich allerdings gezeigt, dass sich das Tool bezüglich Performance und Usability noch in den Kinderschuhen befindet. Hier ist auf Nachbesserung seitens SAP in den kommenden Releases zu hoffen.

 Damit möchte ich meine erste Erfahrungen hier auch abschließen. Als Fazit lässt sich ziehen, dass BW/4HANA eine riesiger Schritt in Richtung Zukunft ist, mit einer deutlich höheren Usability gegenüber der in die Jahre gekommenen SAP GUI. An der ein oder anderen Stelle merkt man noch Kinderkrankheiten, die sich im Laufe der nächsten Releases aber auswachsen werden und damit ein zukunftsfähiges Produkt auf dem Markt ist, mit dem die Kunden Ihre Anforderungen nach Echtzeit-Reporting, Big Data und Predicitve Analysis auf einen tragfähigen Boden stellen können.

 

 

  

 

 

 

Gastblog bei Inspiricon AG

Am 10.01.2018 wurde mein Gastautorblog bei der Inspiricon AG zum Thema Query Designer in Eclipse und zur Vorstellung meines Buches veröffentlicht.
Den Blog können Sie hier nachlesen:
Query Designer in Eclipse

Wenn Sie mehr zu den Einsatzmöglichkeiten und Unterschieden des Query Designers in Eclipse auf einer BW on HANA Umgebung wissen möchten,
schreiben Sie uns eine kurze Mail.